Beschwichtigungssignale 1

Die Hündin unterwirft sich den beiden Rüden spielerisch
Die Hündin unterwirft sich den beiden Rüden spielerisch

 

Turid Rugaas hat die Theorie der Beschwichtigungssignale entwickelt. Ihr ist zu verdanken, dass das Thema Kommunikation in einer breiten Schicht von Hundehaltern endlich zur Kenntnis genommen wurde. Kann man einzelne Gesten isoliert betrachten und daraus schließen, dass der beobachtete Hund sein Gegenüber beschwichtigen mochte? In einer Serie werde ich aufzeigen, warum es gefährlich ist, bestimmte Körperhaltungen Oder Gesten des Hundes prinzipiell als Beschwichtigungssignale zu bezeichnen. In Teil 1 werden fünf der insgesamt ca. 21 beschriebenen 'Calming signals' genau beschrieben.

 


 

 
   


Calming Signals?

 

 

Im Jahr 2001 erschien das Buch 'Calming Signals - die Beschwichtigungssignale der Hunde' von Turid Rugaas in deutscher Sprache. Frau Rugaas gibt an, dass sie jahrelang an Hunden geforscht hat, bis heute hat sie jedoch Wissenschaftlern keine Studien vorgelegt, die

 

nach anerkannten Methoden der Verhaltensforschung durchgeführt wurden. Turid Rugaas hat ca. 20 körpersprachliche Gesten und Verhaltensweisen beschrieben, die immer einen beschwichtigenden Effekt auf mindestens ein Individuum haben sollen. Seit Erscheinen des Buches wird ihre Theorie der Beschwichtigungssignale sehr kontrovers diskutiert. Klar ist, dass ihr Buch endlich die Aufmerksamkeit vieler Hundehalter auf das Thema hündische .Kommunikation gelenkt hat. In den vergangenen 10 -15 Jahren hat sich das Denken über Hunde sehr stark verändert, auch dank solcher, nach streng wissen- schaftlichen Kriterien nicht haltbarer, Theorien, wie der Theorie der Beschwichtigungssignale.

 

Kann man jedoch einzelne Körpergesten, die ein Hund sendet, isoliert betrachten und wie mathematische Gleichungen behandeln? Nein, es muss immer der Kontext der ganzen Situation beachtet werden, sonst kann es zu fatalen Missverständnissen kommen! Wieso dies so ist, erkläre ich in diesem Artikel  anhand der Signale gähnen, schnüffeln, sich hinlegen, Schwanz wedeln und ganz langsame Bewegungen.

 

Gähnen

 

 

 

Ein Hund, der gähnt, will nicht unbedingt sich oder einen Sozialpartner beruhigen. Gähnen kann Stress ausdrucken und wird dann vom Hund als Übersprungshand- lung gezeigt. Es kann jedoch auch sein, dass er schlicht nur müde ist.

 

Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Hund gerade aufgewacht ist, sich wohlig streckt und herzhaft gähnt, so wie es auch sehr viele Menschen nach dem Aufwachen tun. Es kann jedoch auch sein, dass dem Hund langweilig ist, und er deshalb gähnt. Etwas, das von Anhängern von Frau Rugaas immer wieder empfohlen wird, ist ausgiebig zu gähnen, wenn der Hund aufgeregt ist und man ihm zeigen mochte, dass alles ok ist. Wieso soll dem Hund jedoch in einer Situation, die angespannt ist, ein Konfliktsignal gesendet werden? Dies ist kontraproduktiv, da dem Hund vermittelt wird, man sei selber auch nicht sicher, wie mit der Situation umzugehen ist!

 

 

Was Sie jedoch ausprobieren können, ist, Ihrem Hund zu Hause mit Strecken und Gähnen zu zeigen, dass eine gemütliche Auszeit auf dem Sofa angesagt ist. Wenn Sie sich entspannt aufs Sofa setzen oder legen, sich strecken und gähnen und dann entspannt einen Film schauen, Musik hören oder lesen, wird der Hund sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch entspannt hinlegen, wenn er Ihr Signal gesehen hat. Sie haben ihm das Signal für eine Ruhepause gegeben. In entspannten Situationen ist nichts gegen ein Angähnen des Hundes einzuwenden, in sehr angespannten Situationen wird er Ihr Gähnen eher als Unsicherheit denn als Entspannung werten.

 

Gähnt Ihr Hund plötzlich heftig, wenn Sie sich mit ihm beschäftigen, heißt das meistens, dass Sie ihn verunsichert haben oder er nicht weiß, was er tun soll. Meistens ist dann auch die ganze Körperhaltung des Hundes angespannt, und wie eingeknickt.

 

 

Ein plötzliches Maulaufreißen mit einem starren, fixierenden Blick ist eine Drohung - der Hund zeigt seine Waffen und warnt so sein Gegenuber, dass er bereit ist, zuzubeißen. Beim echten Gähnen werden die Augen immer leicht geschlossen, manchmal sogar richtig zusammengekniffen.

 

 

 

Schnüffeln

 

 

wird irrtümlich auch als Beschwichtigungssignal beschrieben. Wenn man bedenkt, dass Hunde ihre Umwelt in erster Linie über den Geruchssinn wahrnehmen und auch die olfaktorische (geruchliche) Kommunikation eine sehr wichtige Rolle in der Kommunikation von Hunden spielt, wird klar, dass das nicht so vereinfacht werden kann. Durch Schnüffeln kann der Hund sehr vieles ausdrücken. Er kann sagen: 'der Grashalm hier ist mir wichtiger als du', was durchaus einen Konflikt entschärfen kann.

 

Es kann jedoch auch sein, dass der Hund eine besonders gut riechende Stelle entdeckt hat und sich ganz in das Erforschen der Duftkomponenten vertieft.

Befreundete Hunde schnüffeln häu­fig gemeinsam an der gleichen Stelle. Was tatsächlich Konflikte mit Artgenossen verhindern kann, ist, wenn ein Hund mit der Nase am Boden an einem anderen Hund vorbeiläuft.

Meistens tun Hunde dies in zügigem, lockerem Trab. Dadurch, dass der Hund keinerlei Kontakt über Blicke oder Gesten mit dem anderen Hund oder Menschen austauscht, zeigt er, dass er nicht an einem Kontakt interessiert ist. Häufig wird dieses Verhalten gegenüber sehr aufdringlichen Zeitgenossen gezeigt. Über Beschnüffeln lernen Hunde auch neue potentielle Sozialpartner kennen. Schnüffeln ist für einen Hund elementar wichtig, deshalb ist es grundverkehrt, aus menschlicher Scham Hunden das Beschnüffeln der Anal- und Genitalgegend von Artgenossen zu verwehren.

 

Sich hinlegen

 

wird irrtümlich häufig als Beschwichtigungssignal bezeichnet.

Wenn der Hund sich auf den Rücken rollt, die Rute etwas einklemmt und vielleicht sogar pinkelt, ist das eine unterwürfige Geste. Er will damit sagen: 'ich bin so klein und schwach, bitte tu mir nichts.'

 

Das sich flach auf den Boden legen und den anderen Hund fixieren ist jedoch häufig ein Auflauern, das zu Konflikten unter sich unbekannten Hunden führen kann.

Hütehunde neigen sehr zu diesem Verhalten. Manche Hunde tun dies, um dann plötzlich aufzuspringen, wenn der andere Hund in unmittelbare Nähe gekommen ist und zu imponieren. Andere Hunde tun dies aus spielerischer Laune heraus. Hier gilt es zu beobachten, ob es zu unguten Auseinandersetzungen kommt, wenn Ihr Hund sich so verhält. Dann sollten Sie das Hinlegen sofort unterbinden. Manche Hunde legen sich auch hin, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass andere Hunde eher positiven Kontakt eingehen, wenn sie sich klein machen. Sie sind jedoch so selbstsicher, dass sie sich nicht auf den Rücken rollen.

 

 

 

Mit der Rute wedeln

 

 

Das Wedeln mit der Rute zeigt, dass der Hund erregt ist. Dies kann positive oder negative Erregung sein. Beschwichtigend ist Wedeln mit der Rute so gut wie nie. Als Faustregel gilt, je hoher die Rute erhoben ist, umso mehr geht das Wedeln in Richtung imponieren oder drohen. Ist die Rute steil aufgestellt und zuckt heftig, zeigt der Hund, dass er gleich angreifen wird.

 

 Hunde haben neben dem After die Analdrüsen und an der Oberseite vom Schwanz die Pecaudaldrüse. Die Sekrete aus diesen Drüsen werden bei Bewegungen mit der Rute verteilt und spielen eine wichtige Rolle in der Kommunikation unter Hunden. Klemmt ein Hund die Rute etwas ein und wedelt dabei, ist das eine unterwürfige Geste.

Vorsicht: verschiedene Rassen haben sehr spezielle Ruten Ansätze oder Formen.

Whippets haben von Natur aus die Rute etwas unter den Bauch gezogen.

Hunde mit Ringelruten sind von ihren kommunikatorischen Möglichkeiten her eingeschränkt.

 

Viele dieser Rassen können die Rute nicht einklemmen, da ist es ein Zeichen von Angst oder Unsicherheit, wenn die Rute offen herunterhängt, ganz selten von Entspannung.

 

Sich langsam bewegen

 

Sich langsam bewegen kann Unbehagen, imponieren oder gar drohen ausdrücken Es kommt selten vor, dass Hunde sich langsam bewegen, um einen anderen Hund oder den Menschen zu beschwichtigen.

 

Was man relativ häufig sieht ist, dass ein Mensch seinen Hund ruft und dabei eine drohende Körperhaltung einnimmt. Dann wird der Hund' immer langsamer, je näher er zu Herrchen oder Frauchen kommt. Dabei spielt aber nicht nur das Tempo eine Rolle, sondern die gesamte Körperhaltung. Der Hund duckt sich, zieht die Rute etwas ein und legt die Ohren an. Mit dieser Geste druckt der Hund seine Unsicherheit aus; häufig wird das falsch verstanden und noch mit dem Hund geschimpft - ein Teufelskreis entsteht.

 

Meistens sind bei gesunden Hunden langsame Bewegungen Imponier- oder Drohverhalten. Beachten Sie, wie die gesamte Körperhaltung des Hundes ist. Macht er sich groß, zeigt der ganze Körper nach vorne und bewegt er sich sehr steif, droht er. Nur groß machen und wie ein Paradepferd laufen ist imponieren und sich klein machen ist Unsicherheit oder Unterwürfigkeit.

 

 

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by Hundeschule Rennsemmel

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