Hunde erziehen, aber gewaltfrei - Zwang und Strafe haben bei moderner Hundeerziehung nichts verloren. Der Weg zu einem harmonischen Miteinander zwischen Mensch

Gewaltfreie Hundeerziehung ist heutzutage doch selbstverständlich, finden Sie?

Nun ja, da stellt sich die Frage: Wenn der Hund nicht tut, was er soll, und man an der Leine reißt und ihn anschreit, ist das Gewalt oder nicht? Und was hat das eigene Verhalten mit dem des Hundes zu tun?


Diese Zusammenhänge zu durchschauen und zu verstehen, dass Strafen, egal in welcher Form, nie zum Erfolg führen, das ist der erste Schritt hin zu einer gewünschten Verhaltensänderung des Vierbeiners.


Der richtige Weg führt über positive Motivation, Ablenkung, spielerische Übungen zur Stärkung des Selbstvertrauens sowie das richtige Deuten der Körpersprache des Hundes.


Angst, getarnt als Aggression


Vielleicht können Sie auch selbst ein Lied davon singen: Da will man einfach einen entspannten Spaziergang mit dem Liebling machen und das Ganze wird zu einer furchtbar stressigen Angelegenheit. Weil der Vierbeiner, sobald er einen anderen Hund sieht, an der Leine zerrt und wild kläfft oder gar auf Menschen aggressiv zugeht.


Dahinter steckt meist Angst.


"Das Ziel des aggressiven Verhaltens ist, Distanz zu schaffen." Das normale hündische Verhalten wäre zu flüchten. Da man den Hund an der Leine hat, ist das aber nicht möglich. Also knurrt und bellt er, und der andere geht meist seines Weges. Das Zähnezeigen hat also funktioniert, lernt er. Wenn das Ganze durch einen Leinenruck und ein "Fuß!" oder eine andere Art der Bestrafung begleitet wird, entstehen Fehlverknüpfungen im Hirn.

Ihr Hund lernt: Einem anderen Hund zu begegnen, tut weh, und Frauchen oder Herrchen haben schlechte Laune. Stress total! Ihm wird signalisiert: "Ich darf in der Situation nicht einmal kommunizieren, ich muss da durch!"   


Strafen erhalten Teufelskreis


Strafe ist eine reine Symptombekämpfung und wird niemals eine nachhaltige Veränderung bewirken. Um den Teufelskreis zu durchbrechen, muss man die Situation und das eigene Verhalten verändern. Die Zauberwörter lauten positive Motivation und Bestärkung. Zuerst vergrößert man dazu die Distanz zu einem nahenden Hund, sodass sich der eigene Hund noch wohlfühlt. Und jedes Mal, wenn er den anderen Vierbeiner ruhig anschaut und nicht anbellt, lobt man ihn und gibt ihm ein kleines Leckerli. So lernt er: Da passiert was Gutes, Angenehmes, es ist nicht gefährlich. Dann verringert man die Distanz zu anderen Hunden nach und nach und setzt konsequent die positive Bestärkung fort. Dadurch verändern sich die Gefühle, die er mit der Situation verbindet.

Das kann schon nach zwei Trainingseinheiten klappen oder nach ein paar Jahren.

Das Tempo bestimmt der Hund, das Ganze ist ein Prozess. Es kommt auf seine Persönlichkeit an und darauf, wie gravierend die Erfahrungen sind, die er gemacht hat. Es braucht Geduld und Durchhaltevermögen, um dieses Verhalten zu ändern.

Und selbst wenn sich der eigene Vierbeiner dann endlich friedlich und respektvoll verhält:


"Traumatische Erlebnisse sind teilweise ein Leben lang gespeichert und alte Muster können wieder aufbrechen."



Ablenkung statt Beschimpfung


Falls man doch wieder einmal in eine Situation gerät, die der Hund noch nicht aushält, hilft Ablenkung.


Weichen Sie aus und stellen Sie sich zum Beispiel schützend vor Ihren Hund, in einen Hauseingang oder zwischen zwei geparkte Autos und lassen Sie ihn seine Lieblingsleberpastete aus der Tube schlecken. Denn wenn er bereits aggressives Verhalten zeigt, ist sein Stresspegel so hoch, dass er nicht mehr ansprechbar ist.


Schließlich will er sein Leben retten und den anderen vertreiben!




Körpersprache richtig lesen



Extrem wichtig und hilfreich ist es auch, die Körpersprache von Hunden verstehen zu lernen. Um Signale richtig und rechtzeitig deuten und entsprechend darauf reagieren zu können.

Wenn der Liebling zum Beispiel einen Hund sieht und den Kopf wegdreht, kann man der Situation ausweichen und eine Eskalation verhindern. Denn bevor ein Hund knurrt oder zuschnappt, setzt er viele Zeichen, die ein gut geschultes Frauerchen oder Herrchen erkennt.




Großstadt als Herausforderung für Vierbeiner


In Städten ist Angst generell ein großes Thema, da Hunde oft in unnatürliche Situationen geraten.

Sie würden niemals frontal aufeinander zugehen, wie es auf Gehwegen oft der Fall ist. Das ist unhöflich und konfliktträchtig.

Normal ist, das kann man oft auf Wiesen bei frei laufenden Hunden beobachten, in einem großen Bogen aufeinander zuzugehen und sich vorsichtig zu beschnuppern.


Da der Mensch und das städtische Zusammenleben das oft verhindern, werden Konflikte geschürt.